Unser Dorf hat Zukunft

Unser Landkreis führte am 11. September 2008 in Vorbereitung des Bundes- und Landeswettbewerbs zum Thema „Unser Dorf hat Zukunft“ die Vorentscheidung auf regionaler Ebene herbei.

 

Ziel war es, die gemeinsame und individuelle Verantwortung für den ländlichen Lebensraum zu stärken und alle Bewohner zu motivieren, Zukunftsperspektiven für Dorf und Landschaft gemeinsam zu entwickeln, umzusetzen, zu gestalten und zu pflegen. Es ging nicht um wirklichkeitsfremde Dorfidylle oder um Musterdörfer. Vielmehr um lebendige und lebenswerte Dörfer, die nach Wegen suchen für ihre Einwohner attraktiv zu bleiben. Gesucht wurden die aktivsten Dorfgemeinschaften, die sich mit neuen Ideen den Herausforderungen der Zukunft stellen, insbesondere dem demografischen Wandel und seinen Folgen.

 

Ergebnis: Kreissieger (mit 83 Punkten von 100) Ortsteil Steffenshagen - Stadt Pritzwalk

 

 

 

Steffenshagen, ein Ortsteil der Stadt Pritzwalk, liegt im Nordwesten des Landes Brandenburg im Landkreis Prignitz an der heutigen Landesstrasse L 111. Das kleine Dorf mit seinen 247 Einwohnern hat konsequent an der Zukunftsperspektive des Ortes gearbeitet und wichtige Ziele erreicht. Strukturmäßig gehören zu Steffenshagen die Firma Gefinex, eine Metallbau- sowie Bautenschutzfirma, eine Tischlerei, den Landgasthof "Lindenkrug" sowie eine sonstige kleine Dienstleistungsfirma. Gute Beziehungen gibt es zu der im Nachbardorf ansässigen Agrarproduktion GmbH Triglitz, die einen Großteil der landwirtschaftlichen Flächen von Steffenshagen bewirtschaftet. Ein ausreichendes System der Versorgung hat sich speziell durch mobile Versorger gebildet.

 

Es wurden alle Anstrengungen unternommen, die innerörtlichen Verkehrsverhältnisse zu verbessern sowie regionaltypische Bausubstanz durch umfangreiche Sanierungsmaßnahmen zu erhalten. Es entstanden Objekte gemeinschaftlicher Einrichtungen, um die Eigeninitiativen im sozialen und kulturellen Bereich anzuregen, wodurch die Lebensqualität erheblich gestärkt wurde. Den Hauptanteil an dieser Entwicklung tragen die Einwohner selbst, mit Unterstützung der Verwaltung, Gemeindevertretung und ansässigen Unternehmen.

 

Um dem örtlichen Leitbild „Wohnort mit Qualitätund einer guten Infrastruktur“gerecht zu werden, bedarf es auch weiterhin ständiger Bemühungen, im Hinblick auf die Herausforderungen der Veränderungen im ländlichen Raum, die wirtschaftliche Basis zu halten und weiterzuentwickeln. Reserven, wie eine Belebung und bessere Vermarktung des Fremdenverkehrs nebst der heimischen Gastronomie mit seinen Übernachtungskapazitäten, sollte dabei in Betracht gezogen werden. Der Ortsteil Steffenshagen ist in der Gebietsbezogenen Lokalen Entwicklungsstrategie (GLES) des Landkreises Prignitz als Schwerpunktregion gekennzeichnet und hat somit die Möglichkeit mit entsprechenden Maßnahmen zu reagieren.

 

100_2956.jpg

 

Beeindruckend ist das überdurchschnittliche Engagement der Bürger an Gemeinschaftsaktionen für das Gemeinwesen, welches u.a. zum Ausdruck kommt in dem sehr aktiven Vereinsleben, in der Bewahrung der Ortsgeschichte und der gemeinsamen Zukunftsplanung.

 

Das Dorf unternimmt alles, um die Attraktivität als Wohnstandort für junge Familien zu erhöhen. So ist es gelungen, die örtliche Kinderbetreuung durch die Kita „Hummelburg“, welche in den zurückliegenden Jahren, besonders aber im Jahre 2010, baulich erweitert, renoviert und mit neuen Spielgeräten ausgestattet wurde, weiter zu erhalten. Diese Einrichtung konnte bereits das 25-jährige Jubiläum begehen und ist eine von wenigen, die im ländlichen Verwaltungsbereich der Stadt Pritzwalk noch existiert.

 

P1060534.JPG

 

Besonders hervorzuheben sind die Projekte „Umbau des ehemaligen Konsums zum Dorfgemeinschaftshaus“ und die „Errichtung eines Sport- und Freizeitkomplexes“ (Spielplatz, Sportplatz, Volleyballfeld, Basketball, Festwiese, Sitzgarnituren usw.) am Ortsrand. DieIdeenfindung undUmsetzung erfolgte hierbei aus eigener Kraft, durch den Einsatz vieler freiwilliger junger und älterer Helfer sowie Unternehmen, womit das gemeinsame Ziel „Schaffung einer Dorfgemeinschaft“ einen immensen Aufschwung erfahren hat.

 

Für die örtliche Freiwillige Feuerwehr, mit einer erfolgreichen Nachwuchsarbeit, als wichtiges Element der Dorfkultur, wurde ein umgebauter Aufenthalts- und Versammlungsraum geschaffen, welcher auch als Jugendclub bzw. Freizeitraum zur Verfügung steht.

 

Im Ort findet man viele gelungene Beispiele für die fachgerechte Sanierung alter Gebäude. Die historisch gewachsene Dorfstruktur des Straßendorfes mit ihren Fachwerkhäusern, den Vierseitenhöfen und dem Gutshof ist noch vollständig erhalten, ohne Teile von Leerstand aufzuweisen. Positiv gelungen ist die bauliche Integration von Eigenheimen in das Ortsbild, die eine Bevölkerungsentwicklung durch Zuzug erkennen lassen.

 

Die Kirche als Mittelpunkt des Ortes ist mit ihrer einzigartigen Malerei Robert Sandforts und der momentan nicht mehr bespielbaren 100. Schuke-Orgel das neue Zielobjekt der Vereinsmitglieder. Mit Satzungsänderung bekundeten diese, sich für den Erhalt dieses denkmalgeschützten Gebäudes einzusetzen und es gleichzeitig zur gesellschaftlichen Begegnungsstätte der Gemeinde zu machen, dabei aber nicht zu vergessen, die Kirche als Gotteshaus zu nutzen.

 

100_2940.jpg

 

Die Ortslage weist in der Grüngestaltung einen dörflichen Charakter mit einer Reihe standortgerechter und bodenständiger Gestaltungselemente auf. Gepflegte Vorgärten mit ihrer ansprechenden Vielfalt, alte Alleebäume, die zu beiden Seiten der Straße stehen, ein Dorfteich als Biotop, der mit Hilfe der Bevölkerung entstanden ist, Hecken und verschiedenste Rankgewächse runden das Dorfbild ab. Zur Erhaltung und Verschönerung der Freiräume werden regelmäßig gemeinsame Einsätze durchgeführt.

 

Im gesamten Gebiet von Steffenshagen sind die Anstrengungen klar erkennbar, eine vielgestaltige und naturnahe Kulturlandschaft zu schaffen und zu erhalten. Die Bebauung fügt sich harmonisch in eine Landschaft ein, die hauptsächlich durch intensive landwirtschaftliche Nutzung, aber auch durch Waldflecken im Osten und auf den feuchten Zonen an der Kümmernitz, kleineren Fließgewässern und den für die Prignitz typischen Feldgehölzen geprägt ist.

 

Der insgesamt positive Eindruck nach den Kriterien des Wettbewerbs könnte durch die Nutzung von Reserven im privaten wie auch im öffentlichen Bereich und bei der Entwicklung von Lösungsansätzen zur wirtschaftlichen Stärkung noch verfestigt werden.

 

Steffenshagen präsentierte sich als lebendiges, selbstbewusstes Dorf mit einer ausgewogenen Bevölkerungsstruktur in der die Nachbarschaftshilfe vorbildlich funktioniere. In zahllosen Arbeitsstunden engagieren sich Jung und Alt ehrenamtlich für den Erhalt und die Weiterentwicklung ihrer Gemeinde.

 

Steffenshagen besitzt Lebensqualität durch ein hohes Verantwortungsgefühl der Bewohner für das Gemeinwesen, wirtschaftliche Vielfalt, soziale Ausgeglichenheit sowie die Bereitschaft und die Fähigkeit sich den künftigen Aufgaben nachhaltig zu stellen.